Abfälle trennen und aufbereiten, Wertstoffe zurück in den Kreislauf bringen und vorhandene Ressourcen sinnvoll für die Energiegewinnung nutzen: Mit diesen und zahlreichen weiteren Aufgaben beschäftigt sich Scherz Umwelt am Standort in der Altenstädter Waldsiedlung. Eine weitere Station seiner #WIRschaftsTour führte den heimischen Landtagsabgeordneten Patrick Appel deshalb nun zu dem mittelständischen Umweltbetrieb. Im Austausch mit Geschäftsführer Jürgen Scherz und bei einem ausführlichen Rundgang über das Betriebsgelände erhielt Appel Einblicke in moderne Trenn- und Aufbereitungsverfahren, Recycling und Kreislaufwirtschaft sowie die Entwicklung des Unternehmens.
Heute beschäftigt Scherz Umwelt mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deckt als zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb ein breites Leistungsspektrum ab. Dazu gehören unter anderem Abfallwirtschaft und Containerdienst, die eigene Kompostierung und das Erdenwerk, die Herstellung von Hackschnitzeln, Erden, Substraten und weiteren Materialien sowie Dienstleistungen in der Forst- und Landschaftspflege. Eigene Siebtechnik und eine Trocknungsanlage ermöglichen verschiedene Aufbereitungs- und Produktionsschritte direkt am heimischen Standort.
„Wenn man hier über das Gelände geht, wird schnell deutlich, wie viel Erfahrung und Know-how heute hinter moderner Abfallwirtschaft stecken. Es geht längst nicht mehr einfach darum, etwas zu entsorgen. Es geht darum, Stoffe möglichst sauber zu trennen, sie aufzubereiten und wieder nutzbar zu machen. So werden aus vermeintlichen Abfällen wieder Rohstoffe, Produkte oder Energie. Genau darin steckt eine enorme wirtschaftliche und ökologische Chance“, erklärte Appel.
Hinter dem heutigen Umweltbetrieb steht eine über Jahrzehnte gewachsene Familiengeschichte. Nachdem der ursprüngliche landwirtschaftliche Betrieb aufgegeben worden war, meldete Hubertus Scherz 1989 ein Gewerbe an. Als die Gemeinden Altenstadt und Limeshain wenig später eine Fläche zur Lagerung von Grünschnitt suchten, wurde dieser auf dem Gelände der Familie angenommen. Daraus entwickelte sich Schritt für Schritt der heutige Betrieb. 1994 nahm die eigene Kompostierungsanlage ihren Betrieb auf, weitere Tätigkeitsfelder kamen hinzu. 1996 stieg Jürgen Scherz in das Unternehmen ein und 2001 seine Schwester Christine Scherz-Ries. Gemeinsam entwickelten sie den Betrieb mit neuen Ideen und zusätzlichen Angeboten kontinuierlich weiter.
„Wir sind als Familienunternehmen über viele Jahre mit unseren Aufgaben gewachsen. Angefangen hat vieles mit der Landwirtschaft und der Annahme von Grünschnitt. Heute beschäftigen wir uns mit ganz unterschiedlichen Stoffströmen und der Frage, wie wir aus dem, was an anderer Stelle nicht mehr gebraucht wird, wieder etwas Sinnvolles machen können. Genau das ist für mich Kreislaufwirtschaft: Stoffe möglichst gut trennen, aufbereiten, wieder als Rohstoffe nutzbar machen oder daraus Energie gewinnen. Damit schaffen wir wirtschaftliche Wertschöpfung und leisten gleichzeitig einen sinnvollen Beitrag für Umwelt, Energie und Zukunft“, erklärte Geschäftsführer Jürgen Scherz.
Dabei ist für Scherz der Familiencharakter des Unternehmens bis heute von besonderer Bedeutung. Was die vorherige Generation aufgebaut hat, wurde weiterentwickelt und an neue Herausforderungen angepasst
Für Appel steht das Unternehmen damit beispielhaft für die besondere Stärke des heimischen Mittelstandes. Familienunternehmen, die über Jahrzehnte an einem Standort investieren, Arbeitsplätze schaffen und Verantwortung für ihre Beschäftigten übernehmen, seien ein entscheidender wirtschaftlicher Stabilitätsfaktor gerade im ländlichen Raum.
„Unsere Region lebt von solchen Unternehmen. Familienunternehmen denken häufig nicht von Quartal zu Quartal, sondern langfristig. Sie sind ihrer Heimat verbunden, investieren vor Ort, schaffen und sichern Arbeitsplätze und übernehmen Verantwortung für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Unser Wohlstand entsteht nicht irgendwo abstrakt, sondern genau hier: in den Betrieben, in denen jeden Morgen Menschen die Ärmel hochkrempeln, Ideen entwickeln, investieren und etwas schaffen“, betonte Appel.
Beim gemeinsamen Rundgang erläuterte Jürgen Scherz die verschiedenen Lagerungs- und Aufbereitungsverfahren sowie die technischen Abläufe auf dem weitläufigen Betriebsgelände. Dabei wurde deutlich, wie aus vermeintlichem Abfall durch richtige Sortierung, Verarbeitung und Wiederverwertung erneut wertvolle Rohstoffe und Energieträger entstehen können.
„Was hier jeden Tag passiert, bringt Kreislaufwirtschaft eigentlich auf den Punkt: Aus Dingen, die zunächst als Abfall erscheinen, entsteht wieder etwas, das gebraucht wird. Dafür braucht es moderne Technik, viel Erfahrung und vor allem Menschen, die wissen, was sie tun. Diese Verbindung aus Ökologie und Ökonomie finde ich besonders spannend. Nachhaltigkeit funktioniert am besten, wenn sie gleichzeitig wirtschaftlich funktioniert“, betonte Appel.
Dabei wurde während des Rundgangs auch deutlich, welche Rolle Energie für die verschiedenen Aufbereitungs- und Produktionsprozesse spielt und welchen Beitrag der Betrieb selbst zur energetischen Nutzung vorhandener Ressourcen leisten kann. Entsprechend nahm die Frage nach einer verlässlichen und wirtschaftlich tragfähigen Energieversorgung einen wichtigen Teil des Austauschs ein.
Das Unternehmen Scherz denkt dabei sehr nachhaltig und treibt aktuell die Dekarbonisierung des Unternehmens mit aller Kraft voran. Noch in diesem Jahr wird der erste vollelektrische E-LKW in Betrieb genommen, der zu weiten Teilen mit Strom aus der eigenen Solaranlage betrieben werden kann. Dieser Schritt bedeutet für das Familienunternehmen Scherz die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern und damit auch mehr Wertschöpfung vor Ort zu belassen.
Neben Energie und Kreislaufwirtschaft standen insbesondere die politischen Rahmenbedingungen für Familienunternehmen und Mittelstand im Mittelpunkt des Gesprächs. Ein zentrales Thema war erneut der Abbau von Bürokratie. Gerade ein Entsorgungsfachbetrieb muss zahlreiche gesetzliche Vorgaben, Dokumentationspflichten und Genehmigungsverfahren beachten. Hohe Umwelt- und Sicherheitsstandards seien notwendig, gleichzeitig müsse Politik stärker darauf achten, Verfahren einfach, nachvollziehbar und praxistauglich zu gestalten.
„Unser Mittelstand braucht wieder mehr Zeit zum Machen. Regeln und hohe Standards sind wichtig, aber wenn Unternehmer immer mehr ihrer Arbeitszeit mit Formularen, Nachweisen und Verfahren verbringen, fehlt diese Zeit für Mitarbeiter, Kunden, Investitionen und neue Ideen. Bürokratieabbau ist deshalb kein abstraktes politisches Schlagwort, sondern entscheidet ganz konkret darüber, wie viel Kraft unsere Betriebe noch für ihre eigentliche Arbeit haben. Gleichzeitig müssen wir mit passenden Fördermitteln und Fördermöglichkeiten seitens des Landes solchen fortschrittlichen Unternehmen unter die Arme greifen und ihren unternehmerischen Mut entsprechend auch finanziellen Rahmen geben“, so Appel.
Für den Landtagsabgeordneten steht Scherz Umwelt damit beispielhaft für genau jene Unternehmen, die er mit seiner #WIRschaftsTour stärker in den Mittelpunkt rücken möchte: Fest in der Heimat verwurzelt, über Jahrzehnte gewachsen und gleichzeitig bereit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und in neue Technik und Geschäftsfelder zu investieren. Seitens des Landes soll dies gezielt mit entsprechenden Förderungen unterstützt und entsprechende Anreize geschaffen werden.
„Fleißige Familienunternehmen, die heute schon an morgen denken, wie Scherz sind ein Fundament unseres Wohlstands und unserer Heimat. Hier wird nicht nur über Verantwortung gesprochen, hier wird sie jeden Tag gelebt – für Mitarbeiter, Familien und die ganze Region. Gleichzeitig zeigt der Betrieb, dass wirtschaftliche Stärke und Nachhaltigkeit keine Gegensätze sein müssen. Wenn aus Abfällen neue Rohstoffe und Energie entstehen, wird aus einer Herausforderung eine echte Chance für die Zukunft“, erklärte Appel abschließend. „Vielen Dank an Jürgen Scherz für die offenen Worte, den Rundgang und die spannenden Einblicke. Genau dafür ist unsere #WIRschaftsTour da: zuhören, verstehen, wo der Schuh drückt, und die konkreten Anliegen unserer heimischen Unternehmen mit nach Wiesbaden nehmen. Ich bleibe gerne Ansprechpartner und Dienstleister unserer Wirtschaft – und komme gerne wieder vorbei.“